„He Whakaputanga Moana“ („Deklaration für den Ozean“): Personenstatus für Wale

Pakt zum Schutz der Vorfahren: Wale sind Personen

Die Anführer:innen der Maori in Neuseeland sowie die der indigenen Inselvölker der Cookinseln und Tahitis haben kürzlich eine besondere Vereinbarung zum Schutz der pazifischen Wale getroffen.[1]Neuseeland: Māori erklären Wale zu juristischen Personen (rnd.de); zuletzt abgerufen am 29.04.2024. Die „Deklaration für den Ozean“, unterzeichnet von Maori-König Tūheitia Paki und mehr als einem Dutzend Vertreter:innen der Cookinseln und Tahitis, erkennt die Wale des Pazifik als juristische Personen an. Wale werden von den indigenen Völkern Polynesiens als Vorfahren angesehen.[2]Die Sicht der „Abkömmlingin“ und Gründerin der Initiative, Mere Takoko, in: A Descendant’s Call for Whale Legal Personhood | Atmos; zuletzt abgerufen am 29.04.2024. Sie sind weltweit durch Klimakatastrophe, Umweltverschmutzung, Schiffsverkehr[3]Allein dadurch sterben bis zu 20.000 Wale jedes Jahr, siehe Collisions with Vessels a Deadly Threat For Whales | FOS (friendofthesea.org). sowie durch den immer noch stattfindenden kommerziellen Walfang gefährdet. Einige Arten wie der Blauwal, der Grönlandwal sowie der Westpazifische Grauwal sind akut vom Aussterben bedroht. Walen wird die Rolle einer Schlüssel-Spezies des Ökosystems zugeschrieben – sie können immense Mengen an CO2 speichern. Allein schon wegen dieser sogenannten „Klimafunktion“ wird ihr „Wert“ auf zwei Millionen US-Dollar geschätzt.[4]Madeleine Stone, in: Wie viel ist ein Wal wert? | National Geographic; zuletzt abgerufen am 29.04.2024.

So schreibt der „National Geographic“: „Die weltweite Walpopulation? – Rund eine Billion Dollar an Vermögen für die Menschheit.“[5]Madeleine Stone, in: Wie viel ist ein Wal wert? | National Geographic; zuletzt abgerufen am 29.04.2024. Die darin so speziesistisch beschriebene Position der Wale – mystifiziert, gefürchtet, gejagt und verwertet – könnte sich also ändern.

Hoffnung liegt in der Signalwirkung

Der Pakt ist kein bindender Vertrag und hat keine Außenwirkung; niemand kann daraus Rechte oder Pflichten ableiten. Die Position der Wale wird sich dadurch nicht automatisch verbessern. Die Erklärung hat aber Signal- und Blaupausenwirkung – wie die Reaktionen der internationalen Presse jetzt bereits hoffen lassen.[6]Hannah Mosbach, in: Neuseeland: Māoris erklären Wale zu juristischen Personen – ZDFheute; zuletzt abgerufen am 29.04.2024. Die Beteiligten möchten mit der Erklärung ausdrücklich den Druck auf die nationalen Regierungen erhöhen, entsprechende Gesetze auf nationaler Ebene zu erlassen.

Die Erklärung legt auch schon die Folgen des Personenstatus fest: Die Wale sollen das Recht auf Bewegungsfreiheit und einen intakten Lebensraum haben. Neben dem Schutz vor Schiffskollisionen gehören das Recht auf eine lebenswerte Umwelt, gesunde Nahrung und Reproduktion dazu.

Einordnung

Diese Deklaration freut uns. Zwar hinterlässt die Tatsache, dass ein echter Schutz der Tiere erst diskutiert wird, wenn es für den Menschen maßgeblich ist – Stichwort „Klimafunktion“ der Wale – einen Beigeschmack. Für die Tiere ist ihr eigenes Lebensrecht in keiner menschlichen Währung aufzuwiegen.

Bedeutsamer ist die Entwicklung als solche. Jüngere Fortschritte im Bereich der Gesetzgebung und Rechtsprechung lassen Hoffnung für Tiere und Natur zu. Panama hat unlängst den dort ansässigen Meeresschildkröten Rechte verliehen; die in Argentinien lebenden Äffinnen Sandra und Cecilia wurden im vergangenen Jahrzehnt als Trägerinnen des „Habeas Corpus“ bekannt und aus der Zoo-Gefangenschaft befreit. Der Fall der Elefantin Happy aus der Bronx hat es immerhin bis vor den New Yorker High Court gebracht – und zwei der US-Richter:innen zu einem positiven Sondervotum über ihren Personenstatus veranlasst. In Ecuador hat seit 2008 das „Right of Nature“ Verfassungsrang – und dieses wurde im Jahr 2022 dahingehend ausgelegt, dass auch einzelne Tierindividuen daraus Rechte ableiten können.

Nun wollen die pazifischen Völker im Jahr 2025 die Vereinten Nationen auf der UN Ocean Conference davon überzeugen, ihrem Beispiel zu folgen.

Wir hoffen, dass sich das Bewusstsein für die tierliche Person als Trend etabliert und schnellstmöglich auf alle Tiere erstrecken wird. Die Unterscheidung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren ist willkürlich und dient nur den Verwertungsinteressen und dem Profit der einen Seite. Das Leben, Wohlergehen und die Freiheit der Tiere bleibt politisch verhandelbar. Um dies endlich wirksam aufzubrechen, bedarf es echter Rechte – statt wie bisher nur Symptombekämpfung durch „Reformen“ wie derzeit in Deutschland am Tierschutzgesetz.

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ist seit Dezember 2021 Teil des Rechtsteams bei PETA in Berlin mit den Schwerpunkten Tier(schutz)recht, Tierethik und Verfassungsrecht.

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